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Leipziger Buchmesse 2002


21. bis 24. März 2002


Leipziger Buchmesse mit neuen Höhepunkten


"Deutscher Bücherpreis" / Autorenspezial Südosteuropa / Rußland mit starker Präsenz / Starke Schwerpunkte Hörbuch und Comic / Buchmesseakademie: Experten diskutieren über das neue Europa

Leipziger Buchmesse Die Leipziger Buchmesse wirft lange Schatten voraus: Schon kurz nach der letzten Veranstaltung wurde der "Deutsche Bücherpreis" angekündigt, der erstmals am 21. März 2002 auf einer glanzvollen Fernsehgala verliehen wird. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wählte Leipzig zur Plattform für die Preisvergabe, um das Image des Buches via Fernsehbildschirm zu fördern. Partner sind neben der Leipziger Messe auch die Stadt Leipzig, der Freistaat Sachsen und der Mitteldeutsche Rundfunk; Sponsoren die Verlagsgruppen Random House, Georg von Holtzbrinck und die Stiftung Ravensburger. Prominenter Schöpfer der Preisfigur ist Günter Grass, der dafür seine Butt-Plastik zur Verfügung stellte, die nun in Bronze gegossen wird.

1.900 Aussteller aus 30 Ländern

Zur Leipziger Buchmesse, die vom 21. bis 24. März 2002 auf dem neuen Messegelände stattfindet, werden wieder rund 1.900 Aussteller aus etwa 30 Ländern erwartet. Die Autorenmesse und Marketingplattform hat sich fest als Frühjahrstreff der Verlagsbranche etabliert. Unter den Neuausstellern befinden sich diesmal unter anderem der Ravensburger Buchverlag, der Oldenbourg Schulbuchverlag, der Steidl Verlag und die UTB für Wissenschaft. Auch Österreich wird sich mit seinen Verlagen ab kommendem Jahr deutlich erweitert in Leipzig präsentieren. Wichtigste Zielgruppe auf der Fachbesucher-Seite sind nach wie vor die Buchhändler, für die es eine Reihe von Sonderangeboten und Serviceleistungen gibt.

Eröffnet wird die Leipziger Buchmesse diesmal durch den ungarischen Autor und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels György Konrád. Er stimmt mit seiner Festrede auf das Autorenspecial 2002 der Leipziger Buchmesse ein, bei dem diesmal die Literaturen Südosteuropas im Mittelpunkt stehen. Die Teilnehmer des Specials zeigen in Essays und Gesprächen ihre ganz persönliche Sicht auf die Entwicklung in der Balkanregion und lesen aus neuen eigenen Werken. Partner des Projektes ist erneut das Literarische Colloquium Berlin (LCB).

"Wir spüren insgesamt ein starkes Engagement mittel- und osteuropäischer Verlage für die kommende Buchmesse", so Projektleiter Oliver Zille. Mit größeren Ständen und zahlreich anreisenden Autoren werden unter anderem Rußland, Polen und Tschechien vertreten sein. Eine spezielle Initiative der Stadt Moskau gilt der Unterstützung dort ansässiger Verlage. Moskau als Sitz der meisten und größten russischen Verlage präsentiert sich mit einem Stand, der eigens von russischen Designern projektiert wird. Kurator des russischen Gesamtauftritts ist der Suhrkamp-Autor Peter Aleschkowski. Neben den Präsentationen aus Mittel- und Osteuropa kündigen sich größere Länderprojekte unter anderem aus Griechenland, Frankreich und den nordischen Ländern an. Frankreich wird sich beispielsweise mit vorwiegend neuen und in Deutschland bisher noch nicht veröffentlichten Autoren vorstellen.

Rußland mit starker Präsenz in Leipzig

Mit einer deutlich erweiterten Standpräsenz, zahlreich anreisenden Verlegern und Autoren und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm wird Rußland an der Leipziger Buchmesse teilnehmen. Hochrangige Delegationen aus Politik und Wirtschaft werden diesen Auftritt begleiten. Eine spezielle Initiative der Stadt Moskau gilt der Unterstützung dort ansässiger Verlage bei der Vermittlung ihrer Autoren in den deutschsprachigen Buchmarkt. Die russische Hauptstadt, Sitz der meisten und größten russischen Verlage, zeigt sich mit einem eigenen Stand. Eröffnet wird dieser in der Messehalle 3 am Messe-Donnerstag um 10:30 Uhr durch Alexander Musykantskij, den Minister der Moskauer Regierung für Information und gesellschaftspolitische Beziehungen.

Am Autorenprogramm nehmen so bekannte Autoren wie Polina Daschkova, Andrej Bitov und Vladimir Sorokin sowie Vertreter der jungen und jüngsten Generation wie Dmitri Bykov und Alexander Ikonnikow teil. Höhepunkt des Programms ist die "Russische Nacht" am 23. März. An diesem Samstagabend steht das "Haus des Buches" in Leipzig ab 19:00 Uhr ganz im Zeichen der neuen russischen Literatur. Die anwesenden Vertreter der wichtigsten russischen Verlage stehen den Besuchern der Veranstaltung ebenfalls als Gesprächspartner zur Verfügung. Moderator des Abends ist der Suhrkamp-Autor Pjotr Aleschkowski, der zugleich Kurator des russischen Gesamtauftritts ist.

Die meisten der genannten russischen Autoren sind während der Leipziger Buchmesse noch an anderen Leseorten zu erleben. So lesen beispielsweise am Donnerstag Dimitri Bykov und Michael Schischkin im Café Europa auf dem Messegelände aus "Der Freispruch" und "Die Eroberung von Ismail". Vladimir Sorokin stellt seinen "Eros von Moskau" im Café KÜF vor, Andrej Bitow und Pjotr Aleschkowski lesen im Café Sacharov. Um zeitgenössische russische Literatur geht es auch am Freitagvormittag bei einer Podiumsdiskussion im Café Europa auf der Messe.

Buchmesse-Akademie mit "Leipziger Forum Neues Europa"

Mit dem "Leipziger Forum Neues Europa" widmet sich die Leipziger Buchmesse-Akademie ab 2002 der Europäischen Integration. Veranstalter sind die Leipziger Messe und die Universität Leipzig. Neben prominenten Vertretern aus Politik und Wissenschaft werden sich auf dem Forum auch Autoren mit Fragen der kulturellen Integration auseinandersetzen. Damit schlägt die Leipziger Buchmesse eine weitere Brücke zwischen den Kulturen Ost- und Westeuropas.

Leipzig "ganz OHR"

Nach dem unüberhörbaren Erfolg des Vorjahres festigt die Leipziger Buchmesse ihren Ruf als wichtigstem Treff der Hörbuch-Branche. Schon 2001 hatten in diesem Segment rund 70 Aussteller ihre aktuellen Produktionen vorgestellt. Für 2002 kündigte vor allem die ARD eine nochmals erweiterte Präsenz an. Am Messe-Donnerstag wird wieder die "ADR-Radionacht der Hörbücher" live aus Leipzig gesendet. Zum zweiten Mal wird hier auch der "Hörkules", der Hörbuchpreis des Buchhandels, verliehen.

Das Motto des Schwerpunktes Hörbuch lautet "ganz OHR". Präsentiert werden neue Trends und ein Überblick zu allen Hörbuchgenres. Gemeinsam mit der ARD und Hörbuchverlagen organisiert die Leipziger Messe ein unterhaltsames Programm mit prominenten Sprechern und Autoren. Live-Lesungen und Fachdiskussionen finden im eigens dafür geschaffenen Hörbuch-Forum statt. Besondere Aufmerksamkeit gilt diesmal den Kinderhörbüchern. Für den Buchhandel sind spezielle Veranstaltungen geplant.

Comics in Leipzig

Einen unerwartet großen Ansturm erlebte auf der letzten Buchmesse der neue Schwerpunkt "Comic". Dieser Ausstellungsbereich wird 2002 ausgebaut. Neben den großen Verlagen wie Carlsen Comics, Egmont Ehapa, MOSAIK Steinchen für Steinchen und der Achterbahn AG präsentieren sich neue Verlage wie Panini Comics und zahlreiche Independentverlage. Das Comic-Café und der Comic-Laden werden ausgebaut, erstmals gibt es auch ein Comic-Kino und ein spezielles Internet-Café. Vor wenigen Tagen startete der Manga-Zeichenwettbewerb für Nachwuchs-Talente, dessen Sieger auf der Buchmesse 2002 ausgezeichnet werden.

Leipzig liest wieder

Der Ruf der Leipziger Buchmesse als Autorenmesse fußt auf dem größten europäischen Lesefestival "Leipzig liest", das jährlich fest zur Buchmesse gehört. Partner des Festivals sind der Club Bertelsmann, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Stadt Leipzig, der Mitteldeutsche Rundfunk und die an der Buchmesse teilnehmenden Verlage, die auch für 2002 und die folgenden zwei Jahre ihre feste Unterstützung zugesagt haben. Erwartet werden über 800 Autoren aus dem In- und Ausland. Schwerpunkte zeichnen sich unter anderem bei den Debütanten und Autoren aus Mittel- und Osteuropa ab. Zu den Autoren von "Leipzig liest" gehören auch die für den "Deutschen Bücherpreis" nominierten Schriftsteller.

Alte und neue Kunst rund um das Büchermachen

Zeitgenössische Künstlerbücher und grafische Editionen zeigt die Ausstellung buch + art, diesmal unter anderem mit einer Ausstellung zum typografischen Werk Jan Tschicholds anläßlich seines 100. Geburtstages. Tschichold wurde 1902 in Leipzig geboren und gilt als einer der bedeutendsten Typografen und Buchgestalter des 20. Jahrhunderts.

Parallel zur Leipziger Buchmesse veranstaltet der Antiquar Detlef Thursch die Leipziger Antiquariatsmesse, besonders unterstützt von Kollegen aus Sachsen und der Leipziger Messe. Thursch konnte sich bereits als Organisator der Düsseldorfer Antiquariatsmesse einen Namen machen.

Buchmesseakademie: Experten diskutieren über das neue Europa

Leipzig liest - und die Universität liest mit. Genauer gesagt: spricht mit, diskutiert mit. Denn die gemeinsam von der Universität Leipzig und der Leipziger Messe GmbH veranstaltete Buchmesseakademie unter dem Rahmenthema "Forum Neues Europa" will im Vorfeld der EU-Erweiterung einen Ort für das nachdenkliche Gespräch, die lebhafte Diskussion bieten. Wissenschaftler der Universität und Experten aus Politik, Kultur und Medien - unter ihnen Bundesaußenminister Joschka Fischer, der Präsident der Akademie der Künste György Konrad, der Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann oder der Publizist Andre Glucksmann aus Paris - wenden sich auf einer Reihe von Foren und Podiumsdiskussionen spannenden europäischen Themen zu. Das Leipziger Europaforum (23. 3., 14 Uhr) wird beispielsweise der Frage nachgehen, ob der Weg zum neuen Europa eine kulturelle Einbahnstraße wird. Die Podiumsdiskussion nach der Eröffnung der Buchmesseakademie durch Rektor Volker Bigl (21.3., 14 Uhr) steht unter dem Thema "Europa nach dem 11. September 2001". Interessant verspricht auch die Diskussion unter dem Titel "Kriechströme - Europa von unten" zu werden, wo auch Schmugglerzüge, LKW-Staus und Basare ins Blickfeld kommen (22. 3., ab 11 Uhr). Redakteure aus Wien, Budapest und Berlin haben sich das Thema "Kulturzeitschriften - Spiegel einer europäischen Kultur?" zur Diskussion ausgewählt.

Die Universität auf der Buchmesse - das heißt aber auch traditionell Vorstellung neuer Bücher aus der Alma mater Lipsiensis. Mehr als 3000 wissenschaftliche Publikationen wurden im zurückliegenden Jahr von Autoren der Universität Leipzig vorgelegt, darunter über 150 Bücher, die nun auf der Neuen Messe am Stand C 209 in der Halle 3 in Augenschein zu nehmen sind. Darunter befindet sich z. B. der Titel "Die Kelten in Deutschland" von Sabine Rieckhoff, Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Leipzig, und Jörg Biel. Leser dieses Bandes können sich damit auf die große Kelten-Ausstellung der Universität einstimmen, die unter dem Titel "fromm - fremd - barbarisch" vom 12. April bis 15. Juni gezeigt wird. Zu sehen sind dann Ergebnisse der Forschungen und Ausgrabungen in der keltischen Stadt Bibracte in Burgund/Frankreich, die Frau Rieckhoff seit 1995 betreibt.

Am Messestand, an dem im Rahmen des Univeritätsverbundes auch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Friedrich-Schiller-Universität Jena vertreten sind, gibt die Universität Leipzig desweiteren an Hand von sechs Exponaten einen Ausschnitt ihrer vielgestaltigen Forschungsarbeit. Dazu zählt der Sonderforschungsbereich 586 "Differenz und Integration" über Wechselwirkungen zwischen nomadischen und seßhaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt, der von Halle und Leipzig gemeinsam bearbeitet wird.

Daneben laden eine Reihe von Einrichtungen der Universität zu Lesungen und Diskussionen ein, so die Universitätsbibliothek zum Thema "Leselust - Lesefrust: Literaturvernichtung in der Schule?" mit dem Dekan der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät Dieter Schulz (23. 3., 14 Uhr, Neue Messe, MDR-Stand) oder der Botanische Garten mit der Buchvorstellung "Frau Merian" von Dieter Kühn (21. 3., 19 Uhr).







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