Aachen, den 18.02.02 - 11.00 Uhr - (DIET-SDM)
Krebspatienten dürfen nicht Gewicht verlieren und benötigen daher Astronautenkost und ausführliche Diätberatung, betont heute Sven-David Müller, Sprecher des Deutschen
Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen. Krebspatienten benötigen bei der Ernährung besondere Aufmerksamkeit durch Angehörige, Diätassistenten, Pflegepersonal und Ärzte, denn sie leiden häufig unter Appetitmangel, Kachexie und anderen Begleitscheinungen der Chemo- oder Strahlentherapie, so Ines Drewe, Diplom Oecotrophologin beim DIET weiter.
Ursachen des Appetitmangels und des Gewichtsverlusts bei Krebspatienten sind Aversionen gegen Nahrungsmittel wie beispielsweise Fleisch und Geschmacksveränderungen bezüglich süß und bitter. Die Empfindungen für Hunger und Sättigung können gestört sein. Durch die Krebstherapie treten oft Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall und Fieber auf. Desweiteren stellt die Erkrankung für den Patienten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine Streßsituation dar. Niedergeschlagenheit, Depressionen und Angst vor der Zukunft, genauer gesagt den weiteren Folgen der Erkrankung und Behandlung sind Gründe für den fehlenden Appetit. Das Gefährliche für die Patienten ist das daraus entstehende Risiko der Mangelernährung. Der Körper wird durch die unzureichende Nahrungszufuhr zusätzlich geschwächt Von besonderer Bedeutung sind Eiweiß und die Vitamine A, C, E sowie Zink. Um die Patienten vor Untergewicht zu bewahren, sollten Betroffene eine individuelle diätetische Beratung in Anspruch nehmen und rechtzeitig mit Trink-, Sonden- oder Zusatznahrungen versorgt werden. Eine Stabilisierung oder Steigerung des Körpergewichts geht bei Krebspatienten in der Regel mit einer Verbesserung der Lebensqualität und des psychischen Zustandes einher. Der Therapieerfolg steigt durch ein ausreichendes Körpergewicht.
Leider gibt es keine spezielle Krebsdiät, welche das Tumorwachstum nachhaltig beeinflußt, doch folgende Empfehlungen können Betroffenen helfen, Essen angenehmer zu gestalten:
- Vorbeugend Astronautenkost trinken und bei Notwendigkeit Sondenernährung veranlassen.
- Bei Geschmacksveränderungen mit frischen Kräutern, Kräutersalz, Zwiebel und Knoblauch oder Sojasoße nachwürzen.
- Um keine frühzeitige Sättigung hervor zu rufen, sollten Getränke nicht zu den Mahlzeiten getrunken werden. Bei Übelkeit empfiehlt sich eine Mischung aus Kamillen- und Pfefferminztee.
- Geeignete frische Zwischenmahlzeiten sind Kaltschalen, Sorbets, Gebäck und energiereiche Trinknahrungen in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
- Bereitgestellte kleine Schalen mit Gebäck können zum Zugreifen verführen.
- Essensgerüche und andere unangenehme Düfte können appetitverderbend sein, das Zimmer daher immer gut lüften.
- Große Portionen und überquellende Teller schrecken ab, besser sind kleine Portionen auf großen Tellern.
- Werden Schweine- und Rinderfleisch als bitter empfunden, eignen sich Geflügelfleisch oder Fisch. Die Marinade mit Fruchtsaft, Wein oder Sojasoße zubereitet nimmt unangenehme Aromen.
- Bei trockenem Mund und vermindertem Speichelfluß (insbesondere bei Bestrahlung im Kopfbereich) sind flüssige und weiche Speisen angebracht. Kaugummis, saure Bonbons, Pfefferminz- und Zitronentees fördern den Speichelfluß.
- Bei bestehenden Durchfällen oder Erbrechen ist eine Trinkmenge von 2,5 bis 3 Litern nötig.
Ausführliche Informationen erhalten Interessierte beim telefonischen Beratungsdienst werktags in der Zeit von 9:00 bis 15:00 Uhr unter der Nummer 0241 - 96109566.
Sehr gute Informationen zum Thema Tumorerkrankungen bietet auch die Homepage der Deutsche Krebshilfe
http://www.krebshilfe.de
(Quelle: D.I.E.T. Aachen)