Aachen, den 20.02.02 - 11.00 Uhr - (DIET-SDM)
In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.) 30 Prozent der Erwachsenen unter Verstopfung. Insbesondere Frauen und Senioren sind von diesem Krankheitsbild betroffen.
Unzureichende Ballaststoffzufuhr, geringe Flüssigkeitsaufnahme und mangelnde Bewegung tragen zur Darmträgheit bei. Aus ernährungsmedizinischer Sicht sollte durch Ballaststoffe, beispielsweise
Plantago ovata Samenschalen und Milchzucker vorgebeugt werden.
Viele Menschen empfinden unregelmäßigen Stuhlgang als enorme Belastung. Der tägliche Gang zur Toilette ist mit Anstrengungen und Schmerzen verbunden, hinzu kommt das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung. Sie reagieren aus Angst vor chronischer Verstopfung mit dem voreiligen Einsatz von Abführmitteln (Laxantien). Damit erreichen sie zwar eine schnelle Lösung des akuten
Problems, fördern aber gleichzeitig genau das, wovor sie sich fürchten: eine langfristig schlecht funktionierende Verdauung und die dauerhafte Abhängigkeit von Abführmitteln, so heute Birgit Junghans, Ernährungswissenschaftlerin vom Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen.
Chronische Verstopfung ist von der akuten Verstopfung deutlich zu unterscheiden. Als normale Verdauung gilt eine Defäkation von 3 Entleerungen täglich bis zu 3 Entleerungen wöchentlich. Die Unfähigkeit zur Darmentleerung bei Reisen und durch Klimawechsel, nach fiebrigen Infekten und Operationen von einer Woche gilt nicht als chronische Verstopfung.
Die Kolonpassagezeit (= Zeit, die der Stuhl für die Durchwanderung des Darms benötigt) und der Auslösereiz für die Abgabe des Stuhls ist abhängig vom Stuhlvolumen. Der in den westlichen Industrieländern geringe Ballaststoffverzehr führt zu einem geringen Stuhlvolumen und gilt als Hauptursache für eine unregelmäßige Darmentleerung. Häufig sind auch seelische Belastungen und Streßsituationen Auslöser dafür, daß der Darm nicht mehr zuverlässig arbeitet.
Die Sorge vor innerer Vergiftung durch eine zu lange Verweildauer des Stuhls sowie die Angst vor dem Gefühl, "verstopft" zu sein, läßt viele Menschen voreilig zu Laxantien greifen. Der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln wirkt jedoch kontraproduktiv, führt zu einer Gewöhnung, lähmt auf Dauer die natürlichen Darmbewegungen und verstärkt die Darmträgheit und kann zu Darmkrebs führen.
Sogar Kinder leiden häufig unter einem nicht richtig arbeitendem Darm. Blähungen, Rumoren, Krämpfe, Verstopfung oder Durchfall sind belastende Symptome, die bereits Schulkinder plagen. Eine gut funktionierende Verdauung ist erfreulicherweise Erziehungssache, so Junghans.
Geduld, eine konsequente Ernährungsumstellung und einige Verhaltensregeln helfen, den nur vordergründig hilfreichen, auf Dauer jedoch schädlichen Laxantiengebrauch zu vermeiden und den Darm auf natürliche Weise zu einem zuverlässigen Funktionieren zu erziehen.
Folgende Regeln helfen allen Betroffenen auf dem Weg zu einer unproblematischen Verdauung:
- Ballaststoffe hatten fälschlicher Weise ein schlechtes Image. Der Wortteil "Ballast" suggeriert, daß diese Stoffe eine überflüssige Belastung darstellen. Tatsächlich entlasten Ballaststoffe, denn sie füllen den Darm, sie quellen auf und regen durch den Dehnungsreiz auf die Darmwand die Darmbewegung an. Ballaststoffe sättigen ohne dick zu machen. Abbauprodukte der Ballaststoffe dienen den Darmbakterien als Substrat und ermöglichen so eine gesunde Darmflora.
30 Gramm Ballaststoffe sollten täglich aufgenommen werden. Um dies zu erreichen, hilft eine zusätzliche Portion Ballaststoffe zum Frühstück, beispielsweise mit dem Müsli, Joghurt oder einem Glas Orangensaft vermischt. So kann ein durch Verstopfung oder Durchfälle geschädigter Darm wieder aufgebaut werden. Wasserlösliche Ballaststoffe haben darüber hinaus noch den Effekt, den Cholesterinspiegel zu senken. Dies bewirken insbesondere die Samenschalen des indischen Flohsamens, auch Plantago ovata genannt, oder Guar.
- Milchzucker ist ein altbewährtes und zuverlässiges Mittel, um die Verdauung auf milde, natürliche und
ungefährliche Weise anzuregen. Milchzucker wird im Darm bakteriell abgebaut und regt dadurch die Darmtätigkeit an.
Er führt nicht zur Gewöhnung und ist gut verträglich.
- Vollkornprodukte anstelle von Weißmehl fördern nicht nur die Darmtätigkeit, sie liefern auch noch viele Vitamine
und Mineralstoffe. Grahambrot, ein Weizenvollkornbrot, ist ein sehr verträgliches Vollkornbrot.
- Trinken ist wichtig, um den Darm in Schwung zu bringen. Der Darm benötigt für die Verdauung Wasser, das er dem Gewebe und dem Blut entzieht. Zu wenig Wasser führt zu einer Verhärtung des Stuhls und damit zur Verstopfung und unangenehmen Kotsteinen. Zwei Liter täglich sollten es sein.
- Getrocknete Pflaumen, Feigen und Datteln enthalten viele wasserlösliche Ballaststoffe und wirken günstig auf die Verdauung.
- Ausschließlich sitzende Tätigkeiten führen dazu, daß der Darm ähnlich bewegungslos wird wie der Mensch selbst. Bewegung ist also ebenso wichtig. Auch Bauchmassagen können dafür sorgen, daß der Darm seine Arbeit aufnimmt.
- Der Darm kann zur Regelmäßigkeit erzogen werden. Der Drang zur Toilette sollte auf keinen Fall unterdrückt werden. Für Kinder ist es wichtig, daß die Toilette kein ungemütlicher und abstoßender Ort ist. Eine warme Toilette, Kassetten oder Bilderbücher laden zum Verweilen ein.
Das Buch "Genußvoll essen bei Darmträgheit" bietet Informationen und viele Rezepte zur Vorbeugung und Behandlung von Obstipation. Es ist im Midena-Verlag erschienen (ISBN 3-310-00675-1).
Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik gibt über seinen
Ernährungsmedizinischen Beratungsdienst unter der Nummer 0241 – 4450230 täglich in der Zeit von 9.00 bis 12.30 Uhr kostenlose Tips und Informationen zum Thema Ballaststoffe, Reizdarmsyndrom und Cholesterinspiegelsenkung.
Ein Besuch auf der Homepage
http//:www.diet-aachen.de lohnt sich für alle, die sich gesund ernähren oder Krankheitssymptome durch die Ernährung verbessern möchten.
(Quelle: D.I.E.T. Aachen)