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Muskelkrämpfe durch
Bergamott-Öl im Tee?

Vier Liter Earl-Grey-Tee täglich führten bei einem Patienten offenbar zu Sehunschärfe und Faszikulationen


Wien (10.05.2002)

Übermäßiger Konsum von Earl-Grey-Tee, der mit Bergamott-Öl aromatisiert ist, kann offenbar zu Vergiftungssymptomen führen. Bei einem Mann, der täglich vier Liter Schwarztee trank, traten nach dem Wechsel auf Earl-Grey-Tee Muskelkrämpfe, Parästhesien und Sehstörungen auf.

Der 44jährige gab an, daß er seit 25 Jahren täglich etwa vier Liter Schwarztee konsumiert. Wegen gelegentlich auftretender Magenschmerzen habe er die Teemarke gewechselt und trank nun täglich vier Liter Earl-Grey-Schwarztee mit Bergamott-Öl, berichtet der Arzt Dr. Josef Finsterer aus Wien in der Zeitschrift "Lancet" (359, 2002, 1484).

Eine Woche nach dem Wechsel der Teemarke bekam der Patient wiederholt einige Sekunden dauernde Muskelkrämpfe im rechten Bein, nach drei Wochen auch im linken Bein und nach fünf Wochen zusätzlich in den Händen. Die Krämpfe wurden mit der Zeit intensiver. Er bemerkte ebenfalls Parästhesien in den Extremitäten, begann unscharf zu sehen, besonders in der Dunkelheit, und hatte ein Druckgefühl in den Augen.

Bei der neurologischen Untersuchung wurden eine erniedrigte Sehschärfe und Faszikulationen an mehreren Stellen festgestellt, etwa im rechten Adductor pollicis und gastrocnemius. Weitere neurologische Tests, Laboruntersuchungen und MRT ergaben keinen auffälligen Befund. Eine Motoneuronen-Erkrankung, eine Polyneuropathie, eine Myopathie sowie eine Neuromyotonie konnte Finsterer durch geeignete Untersuchungen ausschließen.

Der Patient vermutete einen Zusammenhang zwischen Earl-Grey-Tee und seinen Beschwerden und wechselte wieder zu normalem Schwarztee. Einen Woche nach dem Wechsel hatten sich die Beschwerden komplett gebessert. Die Probleme traten nach Angaben des Patienten nicht wieder auf, solange er nicht mehr als einen Liter Earl-Grey-Tee täglich konsumierte.

Als Ursache für die Symptome vermutet Finsterer die Substanz Bergapten aus Bergamott-Öl. Bergapten gilt als selektiver Blocker von Kaliumkanälen in den Membranen der Nervenleitungen. Eine Blockade dieser Kanäle führt zur Übererregbarkeit der Zellmembranen und zu Änderungen von Kaliumströmen. Dies kann Muskelkrämpfe und Faszikulationen auslösen.

(Quelle: Ärzte Zeitung)

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