Kopenhagen (pte, 16. April 02)
Europäische Kinder müssen mit Umweltschäden und Giften zurechtkommen, die schwer tolerierbar sind,
meinen Experten der europäischen Filiale der WHO
http://www.who.dk und der Europäischen Umweltagentur EEA. Die Gefahren sind nach
Expertenmeinungen dort zu Hause, wo Kinder leben, lernen und spielen. Am meisten bedroht sind Kinder unter fünf Jahren. Jedes 500. Kind in
Europa erkrankt vor dem 15. Geburtstag an Krebs.
"Kinder müssen mit mehr als 15.000 synthetischen Chemikalien leben, die zu einem großen Teil erst in den vergangenen 50 Jahren entwickelt
wurden", so Domingo Jiménez-Beltrán, EEA Executive Director. Hinzu kommen verschmutzte Atemluft in den Räumen und im Freien,
kontaminiertes Essen und Trinken, unsichere Gebäude, Transitverkehr, chemisch verseuchtes Spielzeug, Strahlung und Zigarettenrauch. "Diese
Faktoren zusammen gerechnet ergeben in manchen Fällen unglaubliche Werte", so Jiménez-Beltrán. Das Ergebnis sind Asthma, Verletzungen,
Nervenstörungen, Krebs und Infektionskrankheiten aus Wasser und Lebensmitteln.
Kinder sind am verletzlichsten, weil Störungen und Erkrankungen, die bereits in Kindestagen auftreten, auch später noch zu schweren oder
chronischen Gesundheitsproblemen führen können. Durch die im Vergleich große Aufnahme von Essen, Trinken und Atemluft sind Kinder auch
empfindlicher gegenüber Vergiftungen. Sie absorbieren eine größere Menge an Chemikalien. "Schlimm ist auch die Tatsache, daß Kinder keine
Wahl haben, welchen Risiken sie sich aussetzen oder welche sie vermeiden", so Jiménez-Beltrán. Asthma und Allergien haben beispielsweise in
den westeuropäischen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten extrem zugenommen. Fast jedes dritte Kind leidet in gewissen Gegenden an
asthmatischen Anfällen. In westeuropäischen Ländern sind diese Erkrankungen mehr als zehn Mal höher als in osteuropäischen.
Eine WHO-Luftgütestudie in acht italienischen Städten ergab, daß es jährlich zu 30.000 Asthmaanfällen von Kindern unter 15 Jahren kommt. Für
Kinder, die nahe an Hauptverkehrswegen leben, ist die Gefahr an Atemproblemen zu erkranken, doppelt so hoch. Auch die Unfallgefahren sind in
Europa hoch: Jedes zehnte Kind, das in Europa zwischen einem und 14 Jahren stirbt, wurde Opfer einer Verletzung. Tod durch Ertrinken,
Vergiftungen, Feuer oder Stürze sind kausale Ursachen. Besonders gefährlich leben Kinder in der ehemaligen Sowjetunion: Dort liegen die
Sterblichkeitsraten von Kindern acht Mal höher als im restlichen Europa. In Nordwest-Europa stellen Verkehrsunfälle die größte
Verletzungsgefahr für Kinder dar.
Die WHO und die EEA warnen in ihrer Studie davor, Kinder einfach als "Miniatur-Erwachsene" zu betrachten. Sowohl ihr Verhalten als auch ihre
Empfänglichkeit für Gefahren sind spezifisch. Das Nervensystem von Kindern kann beispielsweise 50 Prozent von Bleivergiftungen im Essen
absorbieren, während ein Erwachsener nur zehn Prozent aufnimmt.
Weitere Informationen:
http://www.who.dk/eprise/main/WHO/MediaCentre/PR/20020415_1
(Quelle: pte020416042 - pressetext.austria)