Aachen, den 23.05.02 - (DIET-SDM):
Schluckstörungen (Dysphagie) führen bei vielen Menschen zu einer konstanten Unterversorgung mit allen Nährstoffen, sowohl Energie liefernden wie Proteinen, Kohlenhydraten und Fett, als auch Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen. Durch die ständige Angst vor dem Verschlucken nehmen Betroffene häufig zu wenig Nahrung auf. Der daraus resultierende Gewichtsverlust erhöht die Krankheitsanfälligkeit, die körperliche Schwäche und verringert Lebensqualität und Lebenserwartung, so heute Birgit Junghans, Diplom Oecotrophologin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.).
Betroffene sind auf eine Nahrung in einer entsprechenden Konsistenz und intensive Betreuung beim Essen angewiesen, um ein Verschlucken zu vermeiden und nicht in das Stadium einer gefährlichen Mangelernährung zu gelangen. Die in Fachkreisen als Dysphagie bezeichnete Störung des Schluckreflexes tritt besonders häufig nach einem Schlaganfall auf, der zur Lähmung der Schluckmuskulatur führen kann. Auch bei einer Schüttellähmung (Morbus Parkinson) oder durch mangelernährungsbedingte Abbauprozesse im Alter treten Beschwerden beim Schlucken auf. Bei Schluckstörungen ist der Schluckreflex verzögert und die ungenügende Muskelkoordination führt dazu, daß Speisen oder Getränke in die Luftröhre gelangen. Anders als beim gesunden Menschen, bei dem ein schneller Hustenreflex dafür sorgt, daß die „verschluckte“ Nahrung aus der Luftröhre entfernt wird, empfinden Dyphagie-Patienten häufig eine regelrechte Panik vor Verschlucken. Aus Angst vor dem Ersticken versuchen Betroffene, so wenig wie möglich zu schlucken. Sie meiden das Essen und Trinken, sie nehmen immer weniger Speisen und Getränke zu sich. Daraus entwickelt sich ein Kalorien-, Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffdefizit, der zur Mangelernährung und einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme führt. Das verschlimmert die
Schluckstörung und führt zur gefährlichen Austrocknung. Aspiration von Nahrung, Getränken und Speichel kann zu einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) führen.
Um den Patienten vor einer Mangelernährung zu schützen, bietet Zusatznahrung in Form von Trinknahrung eine sichere und zuverlässige Methode zur Unterstützung der Ernährung. Flüssigkeiten und krümelig, fasrige und inhomogene Speisen sind am schwierigsten im Mund und Schlund zu kontrollieren bzw. zu schlucken. Die geeignete Konsistenz richtet sich nach dem individuellen Schluckstörungsproblem. Bei schweren Schluckstörungen oder zu Beginn der therapeutischen Maßnahmen werden Götterspeise, Apfelmus oder Joghurt ohne Fruchtstücke eingesetzt. In dieser Phase ist die Gefahr der Mangelernährung groß. In keinem Falle darf anfänglich Fetthaltiges oder schwer Abhustbares verabreicht werden. Die Betroffenen sollten nur unter Überwachung essen und trinken. Da oftmals die Empfindung für heiße Speisen und Getränke herabgesetzt ist und eine Verbrennung nicht gespürt wird, sollte lauwarmes Essen gegeben werden. Die Erhöhung der Schluckmotivation ist durch optisch anregende oder gut riechende und intensiv schmeckende Speisen und Getränke möglich. Feste Speisen sind schwer zu schlucken, saure
Speisen und Getränke dagegen lösen einen guten Schluckreflex aus.
Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik berät Betroffene und Angehörige telefonisch bei der Problematik Dysphagie. Die Diätassistenten und Diplom Oecotrophologen stehen den Anrufern werktags in der Zeit von 9.00 bis 15.00 Uhr kostenlos unter folgender Nummer zu Verfügung: 0241 – 96109566. Auch die Internetseite ist einen Besuch wert:
http://www.diet-aachen.de.
(Quelle: D.I.E.T. Aachen)