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In der Schwangerschaft:
Jod und Folsäure für zwei

DIET: Eine mangelhafte Zufuhr von Jod und Folsäure gefährdet ungeborene Kinder!


Aachen, den 25.03.02 - (DIET-SDM)

Die Aufnahme von Jod und Folsäure ist in Deutschland generell zu gering, doch ist die Versorgung mit diesen Wirkstoffen gerade in der Schwangerschaft besonders kritisch und kann zu schweren Fehlbildungen führen, berichtet heute Katrin Raschke, Ernährungswissenschaftlerin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen.

Das wasserlösliche Vitamin Folsäure spielt eine lebenswichtige Rolle in der Zellteilung und –differenzierung. Der Normalbedarf von 400 Mikrogramm Folsäure täglich steigt in der Schwangerschaft durch die Neubildung kindlichen und mütterlichen Gewebes auf 600 Mikrogramm an. Bei einer Unterversorgung mit Folsäure kann es zu Fehlgeburten und schweren Mißbildungen kommen, unter anderem zu Neuralrohrdefekten (offener Rücken, Kiefer-, Lippen-, Gaumenspalte). Diese Defekte treten in Deutschland bei 800 Lebendgeburten jährlich auf, zudem erfolgt in 500 weiteren Fällen nach der Diagnose ein Schwangerschaftsabbruch, so Raschke.

Diese hohe Zahl an Fehlbildungen könnte durch eine rechtzeitige und ausreichende Zufuhr von Folsäure schon vor der Konzeption deutlich verringert werden, sogar um bis zu 70 Prozent, wie aktuelle Studien beweisen. "Vor der Schwangerschaft ist Folsäure fast wichtiger als der Mann", formuliert DIET-Sprecher Sven-David Müller überspitzt. Die Schließung des Neuralrohres erfolgt bereits zwischen der dritten und vierten Woche nach der Empfängnis, also zu einem Zeitpunkt, an dem vielen Frauen ihre Schwangerschaft noch unbekannt ist. Daher muß schon vor Beginn der Schwangerschaft eine ausreichende Folsäure-Versorgung gewährleistet sein.

Folsäure ist in größeren Mengen in grünen Blattsalaten und grünen Blattgemüsen, Hülsenfrüchten, Tomaten, Weizenkeimen und Vollkornprodukten enthalten. Auch Schweine- und Rinderleber sind folsäurereich; Schwangere sollten sie jedoch wegen ihres hohen Gehaltes an Schwermetallen und Vitamin A und der damit verbundenen Gefahr von Vergiftungserscheinungen nicht verzehren.

Die durchschnittliche Folsäure-Zufuhr von Frauen liegt nach den Daten der Nationalen Verzehrsstudie bei weniger als 200 Mikrogramm Folsäure-Äquivalent pro Tag. Das DIET empfiehlt dagegen jungen Frauen eine Aufnahme von 400, Schwangeren sogar von 600 Mikrogramm Folsäure-Äquivalent.

Bei Mehrlingsschwangerschaften, mehreren schnell aufeinander folgenden Schwangerschaften sowie bei sehr jungen Frauen ist das Risiko einer unzureichenden Folsäure-Versorgung hoch. Die Körperspeicher an diesem Vitamin sind nur gering und werden rasch verbraucht. Das DIET empfiehlt daher Frauen mit Kinderwunsch, zusätzlich 400 Mikrogramm Folsäure über Tabletten einzunehmen. Bei allen Frauen ist es sinnvoll, die Supplementierung schon vor der Konzeption zu beginnen und bis zum Ende der vierten Schwangerschaftswoche, also bis zum Verschluß des Neuralrohres, fort zu führen.

Als weiterer kritischer Nährstoff in der Schwangerschaft ist Jod anzusehen. Deutschland ist – bis auf die Küstenregionen – ein Jodmangelgebiet. Die bedeutendsten Jodlieferanten unserer Ernährung sind Seefische wie Kabeljau, Seelachs, Schellfisch und Scholle, aber auch Jodsalz und damit hergestellte Produkte. Für die ausreichende Versorgung der Bevölkerung empfiehlt das DIET den Einsatz von jodiertem Speisesalz.

Jod ist wichtig für die Tätigkeit der Schilddrüse, die dieses Spurenelement für die Herstellung der Hormone Tri- und Tetrajodthyronin (T3 und T4) benötigt. Diese Hormone haben vielfältige Aufgaben im Körper. Unter anderem unterstützen sie die Entwicklung und Reifung des Nervensystems, aber auch die der Knochen und anderer Gewebe, da sie auf das Wachstumshormon einwirken.

In der Schwangerschaft steigt der Jodbedarf, da das Ungeborene ab der 12. Schwangerschaftswoche beginnt, selbst Schilddrüsenhormone zu bilden. Erhält der Fötus dafür zu wenig Jod aus dem mütterlichen Organismus, kann dies zu verschiedenen Komplikationen führen. Je früher der Jodmangel auftritt, desto größer ist das Risiko für Fehlgeburten sowie prä- und postnatale Mortalität. Das Skelettsystem nimmt durch den Jodmangel ebenfalls Schaden, es kommt zu Kleinwüchsigkeit und Deformierung der langen Röhrenknochen.

Das Vollbild des Jodmangels, der Kretinismus mit verzögerter geistiger Entwicklung, Hör- und Sprachstörungen ist heute glücklicherweise kaum noch anzutreffen.

Der tägliche Jodbedarf liegt bei 200 Mikrogramm. Doch auch diese Menge wird mit der in Deutschland üblichen Ernährung meist nicht erreicht. Nach Angaben des Arbeitskreises Jodmangel
( www.jod-fuer-zwei.de, www.jodmangel.de) weisen etwa 30 Prozent der Frauen zu Beginn der Schwangerschaft eine durch Jodmangel vergrößerte Schilddrüse auf. Die Jodzufuhr in Deutschland liegt bei etwa 110 Mikrogramm pro Tag. Empfehlenswert sind 200 Mikrogramm, für Schwangere 230 Mikrogramm. Aber nur etwa jede zweite Frau ergänzt den erhöhten Jodbedarf mit Tabletten. Die Experten des DIET empfehlen die Supplementierung von 150 bis 200 Mikrogramm Jod in der Schwangerschaft und generell die Verwendung von jodiertem Speisesalz.

Buchempfehlung
Sven-David Müller: Genußvoll essen für die Schilddrüse. Dieses empfehlenswerte Ratgeberbuch enthält neueste medizinische Informationen über die Schilddrüse und Jodmangel sowie 50 leckere Rezepte, berechnet auf ihren Jodgehalt. Es ist für 12,90 Euro im Midena-Verlag erhältlich (ISBN 3-310-00703-0).

(Quelle: D.I.E.T. Aachen)

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