Frankfurt am Main 03.06.2002 - Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe zum diesjährigen Träger des Preises gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 13. Oktober 2002 in der Paulskirche statt.
In der Begründung heißt es: "Der Buchhandel ehrt mit Chinua Achebe eine der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts, einen unnachgiebigen Lehrer und Moralisten und vor allem einen großen Erzähler. Er gilt unangefochten als Begründer der authentischen englischsprachigen Romantradition Westafrikas. Sein Stil ist stark geprägt durch die orale Erzählkunst seines Volkes, der er damit ein Denkmal setzt. Achebes zentrales Thema ist, Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind."
Aus seinem vielseitigen Werk ragt insbesondere die zwischen 1958 und 1966 erschienene «Afrikanische Trilogie» heraus, deren erster Teil, «Things Fall Apart», mit einer Weltauflage von bald 10 Millionen zum bekanntesten Roman Afrikas geworden ist.
Chinua Achebe, geboren am 15. November 1930 im ostnigerianischen Ogidi, gehört dem Volk der Igbo an, einer der drei großen Ethnien im Vielvölkerstaat Nigeria. Er besuchte die lokale Missionsschule und dann die Sekundarschule Government College in Umahia. Nach dem Studium in Ibadan arbeitete er beim Rundfunk Nigerias, wo er 1961 zum Direktor des Auslandsdienstes ernannt wurde. 1966 legte er das Amt nach den Massakern an den Igbo nieder; während des Biafra-Krieges (1967-1970) war er Sonderbotschafter Biafras in Europa und den USA. Nach dem Ende des Krieges lehrte er an der nigerianischen Universität Nsukka und in den USA. Lange Jahre war Achebe Berater für die legendäre «African Writers Series» des Heinemann Verlags, die die Literaturen Afrikas in die Welt hinaus brachte. 1971 gründete er die Literaturzeitschrift Okike, eine Plattform besonders für jüngere Autorinnen und Autoren und kritische Reflexion über die gesellschaftliche Rolle von Literatur.
Seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahre 1990 ist Achebe auf einen Rollstuhl angewiesen; er lebt in den USA. Seine Aufenthalte in der Heimat sind selten geworden, weil er dort adäquate gesundheitliche Versorgung kaum gewährleistet sieht.
Folgende deutschsprachige Ausgaben sind z.Z. wahrscheinlich lieferbar (ggf. direkt beim Verlag):
Ein Bild von Afrika
Rassismus in Conrads «Herz der Finsternis»
(Zeichen 7)
Übersetzt von Wulf Teichmann und Thomas Brückner
Alexander Verlag, Berlin 2000, 112 Seiten, 7,80 EUR
Okonkwo oder Das Alte stürzt
Schwarzafrikanische Literatur
Herausgegeben von Dagmar Hensler
Aus dem Englischen von Evelyn Petzold
(Edition Suhrkamp 1138)
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1982, 200 Seiten, 9,50 EUR
Der Pfeil Gottes
Nachwort von Thomas Brückner
Überarbeitet von Ulrike Saile
Aus dem Englischen von M. von Schweinitz
Hammer Verlag, Wuppertal 1994, 296 Seiten, 8,50 EUR
Zwölf Gedichte
(Sonderdruck zu Chinua Achebes 60. Geburtstag)
Zeichnungen von Obiora Udechukwu
Herausgegeben von Ulli Beier und Heinrich Bergstresser,
in Zusammenarbeit mit dem Iwalewa-Haus der Universität Bayreuth
Übersetzt von Ulli Beier
Bumerang-Verlag, Bayreuth 1990, 28 Seiten, 15 EUR
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