Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn fordert offenen Umgang mit Analphabetismus: "Analphabeten brauchen eine zweite Chance"

"Wir müssen mit dem Problem des Analphabetismus offener umgehen", forderte
Bulmahn
http://www.bmbf.de anläßlich des
Weltalphabetisierungstages am 8. September. Für Erwachsene, die unter Lese-
und Schreibproblemen leiden, sei eine "zweite Chance" besonders wichtig,
betonte die Ministerin. Es gelte, die breite Öffentlichkeit auf das Phänomen
"Analphabetismus" aufmerksam zu machen und für die Probleme der Betroffenen
zu sensibilisieren.
Nach Schätzungen der UNESCO aus den 80er Jahren gebe es in Industrieländern
etwa 0,75 bis 3 Prozent funktionale Analphabeten in der
Erwachsenenbevölkerung. Das sind Menschen, die trotz Schulbesuchs große
Lese- und Schreibschwächen haben. Für Deutschland wären demnach rund 0,6 bis
2,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten.
Die Betroffenen müßten besser unterstützt werden, forderte die Ministerin.
Schon mit dem Besuch eines Kurses könnten enorme Fortschritte erzielt
werden. "Doch dazu braucht es Mut", sagte die Ministerin, "diesen wollen wir
vermitteln". Die Infrastruktur in den Bildungseinrichtungen sei relativ gut.
So bieten etwa die Volkshochschulen ein fast flächendeckendes Angebot an
Kursen für Erwachsene an.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt darüber
hinaus verschiedene Modellprojekte. Seit dieser Legislaturperiode wurden für
Projekte im Bereich der Alphabetisierungsarbeit über zwei Millionen Mark
eingesetzt. Momentan plant das BMBF die Einrichtung einer Internetplattform,
mit der Lehrerinnen, Lehrer und Dozenten, aber auch Lernende und die
Öffentlichkeit besser informiert und sensibilisiert werden sollen.
"Wir dürfen nicht hinnehmen, daß manche Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit
nicht richtig lesen und schreiben können", unterstrich die Ministerin.
Deshalb müsse Vorbeugung von Analphabetismus bei Kindern und Jugendlichen
ein Schwerpunkt der Arbeit sein. Neben den Lehrern seien vor allem Eltern,
Freunde und Verwandte gefragt, dem Kind zur Seite zu stehen. Ihre Zuwendung
und Förderung sei wichtig, wenn Lernschwierigkeiten und vor allem Lese- und
Schreibprobleme auftreten. Vor allem solle damit eine Ausgrenzung verhindert
werden, sagte die Ministerin.
Mit weiteren vom BMBF geförderten Projekten werden Konzepte für
berufsvorbereitende Maßnahmen oder die Möglichkeiten neuer Medien in der
Erwachsenenalphabetisierung entwickelt und erprobt. Ebenfalls betonte
Bundesministerin Bulmahn die Bedeutung der zahlreichen
Bildungseinrichtungen, Initiativen und der Vereine, wie etwa dem
Bundesverband Alphabetisierung e.V.
http://www.alphabetisierung.de/.
Pressemitteilung Nr. 139/2001 vom 07.09.2001
(Bundesbildungsministerium)