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Analphabeten brauchen eine zweite Chance

Wir müssen mit dem Problem des Analphabetismus offener umgehen
Weltalphabetisierung 8. September 2001

Köln (dpa) 06.09.2001

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn fordert offenen Umgang mit Analphabetismus: "Analphabeten brauchen eine zweite Chance"

"Wir müssen mit dem Problem des Analphabetismus offener umgehen", forderte Bulmahn http://www.bmbf.de anläßlich des Weltalphabetisierungstages am 8. September. Für Erwachsene, die unter Lese- und Schreibproblemen leiden, sei eine "zweite Chance" besonders wichtig, betonte die Ministerin. Es gelte, die breite Öffentlichkeit auf das Phänomen "Analphabetismus" aufmerksam zu machen und für die Probleme der Betroffenen zu sensibilisieren.

Nach Schätzungen der UNESCO aus den 80er Jahren gebe es in Industrieländern etwa 0,75 bis 3 Prozent funktionale Analphabeten in der Erwachsenenbevölkerung. Das sind Menschen, die trotz Schulbesuchs große Lese- und Schreibschwächen haben. Für Deutschland wären demnach rund 0,6 bis 2,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten.

Die Betroffenen müßten besser unterstützt werden, forderte die Ministerin. Schon mit dem Besuch eines Kurses könnten enorme Fortschritte erzielt werden. "Doch dazu braucht es Mut", sagte die Ministerin, "diesen wollen wir vermitteln". Die Infrastruktur in den Bildungseinrichtungen sei relativ gut. So bieten etwa die Volkshochschulen ein fast flächendeckendes Angebot an Kursen für Erwachsene an.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt darüber hinaus verschiedene Modellprojekte. Seit dieser Legislaturperiode wurden für Projekte im Bereich der Alphabetisierungsarbeit über zwei Millionen Mark eingesetzt. Momentan plant das BMBF die Einrichtung einer Internetplattform, mit der Lehrerinnen, Lehrer und Dozenten, aber auch Lernende und die Öffentlichkeit besser informiert und sensibilisiert werden sollen.

"Wir dürfen nicht hinnehmen, daß manche Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit nicht richtig lesen und schreiben können", unterstrich die Ministerin. Deshalb müsse Vorbeugung von Analphabetismus bei Kindern und Jugendlichen ein Schwerpunkt der Arbeit sein. Neben den Lehrern seien vor allem Eltern, Freunde und Verwandte gefragt, dem Kind zur Seite zu stehen. Ihre Zuwendung und Förderung sei wichtig, wenn Lernschwierigkeiten und vor allem Lese- und Schreibprobleme auftreten. Vor allem solle damit eine Ausgrenzung verhindert werden, sagte die Ministerin.

Mit weiteren vom BMBF geförderten Projekten werden Konzepte für berufsvorbereitende Maßnahmen oder die Möglichkeiten neuer Medien in der Erwachsenenalphabetisierung entwickelt und erprobt. Ebenfalls betonte Bundesministerin Bulmahn die Bedeutung der zahlreichen Bildungseinrichtungen, Initiativen und der Vereine, wie etwa dem Bundesverband Alphabetisierung e.V. http://www.alphabetisierung.de/.

Pressemitteilung Nr. 139/2001 vom 07.09.2001
(Bundesbildungsministerium)

  
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