Barcelona (pte, 15. November 01/16:03) - Der BBC World Service hat sich entschieden, die Anschläge von New York und Washington nicht mehr als Terrorismus zu beschreiben. Die offizielle Diktion des BBC World Service verwendet das Wort "Attacke" im Zusamenhang mit den Anschlägen vom 11. September. Mit dieser Formulierung will die BBC ihren guten Ruf der Unparteilichkeit vor allem in der islamischen Welt wahren, berichtet der Media Guardian
http://media.guardian.co.uk heute, Donnerstag.
Auf der Newsworld-Konferenz in Barcelona erläuterte Mark Damazer, stellvertretender Direktor von BBC News, bei einer Debatte über die Rolle des Fernsehens die Entscheidung. Er bemühte sich zu betonten, man wolle mit dem Beschluß keinesfalls den Schrecken der Ereignisse vom 11. September schmälern. "Wie erschütternd und abscheulich es auch war, so gibt es dennoch eine Gruppe von Zuhörern, die die Ereignisse nicht als Terrorismus sehen", verteidigte Damazer den Standpunkt der BBC. "Die Attacken trotzdem als Terrorismus zu bezeichnen, könnte unseren Status als unparteilicher und unabhängiger Sender gefährden". Der BBC World Service müsse wegen seiner Reputation als unvoreingenommener Berichterstatter besonders auf seinen Sprachgebrauch achten. Es sei beim World Service auch nicht üblich, so Damazer, die Attacken der IRA als Terrorismus zu bezeichnen, weil diese im globalen Kontext möglicherweise nicht als solcher verstanden würden.
Tony Burman, Geschäftsführer der Canadian Broadcasting Corporation, kritisierte die amerikanischen Medien. Sie haben in einem Anfall von "Hurrapatriotismus" völlig versäumt, die internationalen Perspektiven darzustellen. "Wenn man die Berichterstattung von BBC mit dem Bild der US-Rundfunkanstalten vergleicht, glaubt man von zwei verschiedenen Kriegen zu hören", sagte Burman. NBC-Vizepräsident Bill Wheatley bestätigte die Fixierung der amerikanischen Medien auf den Sieg über die Taliban und das Ergreifen Bin Ladens. Den Vorwurf des "Hurrapatriotismus" wies er aber zurück. Die US-Medien stellten die Komplexität der Krise sehr wohl dar.
Der BBC World Service wird in der islamischen Welt viel gehört. Eine vor der Krise durchgeführte BBC-Studie ergab, daß in Afghanistan 72 Prozent der Paschtunen und 62 Prozent der Dari-sprachigen Bevölkerung täglich den BBC World Service hören.
(Quelle: pte011115038 - pressetext.austria)
Kommentar:
Wie bezeichnet BBC die Leute, die die Attacken ausführten? Nicht mehr Terroristen?