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Liste der Verantwortlichen für die Rechtschreibreform

Anfragen an Manfred Riebe, Vorsitzender des Vereins fuer deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. - Initiative gegen die Rechtschreibreform -, 90571 Schwaig bei Nürnberg

Lieber Herr Riebe!

Da hilft doch alles nichts. Die Verantwortlichen für die Rechtschreib-Deformation verstecken sich hinter ihren ämtern, bleiben anonym und lassen alle betroffenen Bürger zappeln. Und wenn es später einmal zur Wiederabschaffung der Mißgeburt kommt, waren sie es nicht gewesen.

Das einzige, was hilft, ist immer wieder eine Liste der verantwortlichen Personen mit deren Adressen zu verbreiten, damit das Schattenboxen aufhört. Diese Leute müssen gestellt werden. Jeder muß wissen, welcher Abgeordnete den Al-Capone-Streich der Rechtschreib-Deformation befürwortet, Amt und Mandat dürfen nicht länger Schlupfwinkel für Leute sein, die etwas anrichten und dann verduften, um sich das Scherbengericht aus sicherer Entfernung zu betrachten.

MfG
R. Neuber

Liste der Verantwortlichen für die Rechtschreibeform

Lieber Herr Neuber!

Sie haben recht. Ich trage gern meinen Anteil dazu bei, die Anonymität der Verantwortlichen zu lüften. Ich hoffe, daß sich andere Wissende daran beteiligen. In meinem Buch über die Rechtschreibreform, das bisher kein Verlag wagte, auch nur anzuschauen, habe ich im Kapitel 17: "Inkompetente Ministerialbeamte" die eigentlichen übeltäter aufgelistet, denn die "Reformer" waschen ihre Hände in Unschuld. Der einschlägige Auszug daraus lautet:

In der Presse heißt es, die Kultusminister der Länder hätten in Sachen Rechtschreibreform getagt. Die "Amtschefs" beabsichtigten, die Rechtschreibreform am 1. August 1998 ohne änderungen einzuführen (Rechtschreibreform nicht vorschnell ändern. In: General-Anzeiger, Bonn, 12.02.98, S. 4). Die Amtschefs sind aber keineswegs die Kultusminister, sondern ihre Planungsstäbe, Staatssekretäre und Ministerialbeamte, die mehr im Hintergrund wirken und daher nicht so bekannt sind wie die Kultusminister. Hier sollen dennoch, wenn auch lückenhaft, einige dieser Ministerialbeamten genannt werden, damit wenigstens etwas Licht in diesen Kompetenzen-Wirrwarr gebracht wird:

Für die Kultusministerkonferenz sind das z.B.

der Generalsekretär der KMK, Dr. Joachim Schulz-Hardt, der stellvertretende Generalsekretär der KMK, Dr. Christian Thieme (FAZ 12.03.97, S. 10), Referentin Hüllenhagen, NRW-Staatssekretär Dr. Friedrich Besch, einer der Vorkämpfer der Reform (Zabel, 1996, S. 169, 178, 301, 324, 358, 410), Oberstudienrat Dr. Tobias Funk (Funk, 1997, S. 14), NRW-Ministerialdirigent Franz Niehl, Leiter der KMK-Gruppe Rechtschreibreform, einer der "Väter der Reform" (Zabel, 1996, S. 221, 358, 410) und Hauptveranwortlicher für die Informationspolitik der Kultusminister (Jochems in: SZ 28./29.06.97, S. 13), Prof. Dr. Peter Pauly aus dem baden-württembergischen Kultusministerium, der Vorsitzende des Schulausschusses der KMK, Herr Keller-Riemer vom Sekretariat der KMK (Zabel, 1996, S. 192).

Für das Bundesministerium des Innern z.B.:
Staatssekretär Kroppenstedt (Zabel, 1996, S. 169, S. 358), Ministerialdirektor Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf, Leiter der Kulturabteilung (Bergsdorf, 1997, S. 252), Ministerialrätin Dr. Monika Palmen-Schrübbers, Regierungsrat Hunold, Verwaltungsangestellte Marion Pella (Augst et al., 1997, S. 60), Ministerialdirigent Dr. Ritter.

Für die Kultusministerien z.B.:

für Baden-Württemberg: Regierungsschuldirektor Kammerer, Regierungsschuldirektor Ulrich Lübke,
für Bayern: Ministerialrat Dr. Stefan Krimm (SZ vom 12./13.04.97, S. 12), Studiendirektor Michael
Beer (Weller, J., 1997, S. 61 f.; SZ 03.02.1997, S. 39),
für Berlin: Oberschulrätin Dr. Kabisch (Zabel, 1996, S. 191),
für Brandenburg: Referatsleiterin Dr. Jutta Thiemann,
für Hamburg: Oberschulrat Bernd-Axel Widmann (Weller, J., 1997, S. 62),
für Hessen: Ltd. Ministerialrat Günter Habedank (FAZ 02.12.97, S. 12; Dräger, 1997a, S. 52) und
Christoph Stillemunkes (FAZ 14.06.97, S. 8; FAZ 23.03.98, S. 14),
für Niedersachsen: Ministerialrat Albrecht Pohle (SZ 03.09.97),
für Nordrhein-Westfalen: Ministerialdirigent Franz Niehl, Ltd. Regierungschuldirektor Dr. Schindler,
für Rheinland-Pfalz: Ministerialrätin Helene Lipowsky,
für Sachsen: Referent Dr. Ingo W. Hirschberger (Zabel, 1996, S. 201),
Sachsen-Anhalt: Dr. Nieber (Zabel, 1996, S. 200),
für Schleswig-Holstein: Regierungsschuldirektorin Gerburg Böhrs;
für das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft: Ministerialrat Dr. Hans Herbert Wilhelmi (Augst et al., 1997, S. 60);
für das Auswärtige Amt:
Vortragender Legationsrat Thiedemann, Legationssekretär J. Kantorczyk,
(vgl. Zabel, 1996, S. 50, 70, 210, 221, 231) sowie deren Planungsstäbe im Hintergrund, in denen die Vorarbeiten geleistet werden.

Es ist zu vermuten, daß sich der von Horst Haider Munske erwähnte Schulausschuß der Kultusministerkonferenz und die Redaktionskommission für das Wörterverzeichnis (Mitglieder des KMK-Schulausschusses und des Internationalen Arbeitskreises) zum Teil aus diesem Personenkreis zusammensetzte (Munske, 1998, S. 23 f.). Einige Informationen über die Hierarchie der über den Bericht der Rechtschreibkommission beratenden und entscheidenden Instanzen im Kultusbereich hat Tobias Funk von der KMK zur Verfügung gestellt (18.03.98). Sie sieht, von unten nach oben bzw. in zeitlicher Reihenfolge betrachtet, so aus:

1. Die Planungsstäbe in den Kultus- oder Schulministerien. Wie Tobias Funk mitteilte, veranstalten diese Referententreffen. So tagten sie am 4. Februar 1998 in Mainz. Zu diesem Kreis zählen Regierungsschuldirektoren und Ministerialräte, z.B. Gerburg Böhrs, Helene Lipowsky, Dr. Stefan Krimm, Franz Niehl. Mit dabei waren die Reformer Augst und Gallmann. Hier wurde die Entscheidung über die unveränderte Einführung der Reform am 1. August 1998 vorbereitet. Was Augst den Teilnehmern vorschlug, sagte er einige Tage zuvor den Stuttgarter Nachrichten (Augst in: Stuttgarter Nachrichten 31.01.98, S. 20).

2. Die Arbeitsgruppe Rechtschreibreform des Schulausschusses der KMK. Sie wird von Ministerialdirigent Franz Niehl geleitet. An deren Sitzungen können von Fall zu Fall der Vorsitzende der Rechtschreibkommission, Gerhard Augst, oder deren Geschäftsführer Klaus Heller beratend teilnehmen.

3. Der Schulausschuß als Hauptausschuß der KMK. Er wird von Dr. Peter Pauly geleitet.

4. Die Amtschef-Konferenz: Nachdem Anke Brunn Präsidentin der KMK geworden ist, leitet ihr Staatssekretär, Dr. Wolfgang Lieb, die Amtschef-Konferenz. Diese Amtschef-Konferenz kann von Fall zu Fall eine Amtschef-Kommission einsetzen. Diese tagte am 6. Februar 1998. Vorsitzende waren Staatssekretär Friedrich Besch (NRW) und Ministerialdirektor Hoderlein (Bayern).

5. Die Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz: Sie tagte am 26./27. Februar 1998 in Bonn.

Einige personelle Veränderungen hat es inzwischen sicher gegeben. Insbesondere wurden etliche der verantwortlichen Kultusminister abgelöst.

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Die Kultusminister habe ich weggelassen, weil jeder sie kennt. Die eigentlichen Drahtzieher oder grauen Eminenzen sitzen meist im Hintergrund und sagen ihren Kultusministern, die über die Rechtschreibreform nur oberflächlich Bescheid wissen, was sie offiziell sagen sollen. Einen Hauptdrahtzieher muß man aber doch beim Namen nennen: Manfred Kanther, der ehemalige Bundesinnenminister, vgl. Theodor Ickler: "Was weiß Manfred Kanther? Zum Stand der sogenannten Rechtschreibreform". In: DEUTSCHE SPRACHWELT Nr. 1 vom 20. Mai 20000, S. 3. Dieser Artikel Icklers ist mit einem Foto versehen, das Manfred Kanther, Roland Koch und Alfred Dregger zeigt. Wer kann die anderen Herren im Hintergrund dieses Fotos identifizieren?

Jetzt müßte es leichter sein festzustellen, ob diese Beamten oder ihre Mitarbeiter Beraterverträge mit Bertelsmann haben oder hatten. Da das sogar unter Abgeordneten vorkommt, wäre dies auch bei Ministerialbeamten möglich. Der CDU-Europa-Abgeordneten Elmar Brok bezieht als Leiter des Bertelsmann-Lobbybüros in Brüssel ein hohes Zusatzgehalt. Karin Graf, Literaturagentin und Ehefrau von Joachim Sartorius, des Generalsekretärs des Goethe-Instituts, ist z.B. als Kulturbeauftragte der Bertelsmann AG tätig.

Wir brauchen einen Karlheinz Schreiber oder einen Günter Wallraff bei Bertelsmann, der die Namen der Bertelsmänner in Staatsorganen, Behörden und Medien nennt, die wie weiland Al Capone dazu beigetragen haben, einen künstlichen Bedarf zu schaffen. John Maynard Keynes brachte ein anschauliches Beispiel einer unproduktiven Arbeitsbeschaffungsmaßnahme: Der Staat könne Arbeitslose beschäftigen,indem sie immer wieder Flaschen eingraben und wieder ausgraben. Das ist eine ähnlich nutzlose und unproduktive Tätigkeit wie die Durchführung der Rechtschreibreform, die laut Roman Herzog überflüssig wie ein Kropf ist. Letztendlich zahlt solch einen Unsinn, den sich korrupte Politiker und Beamte ausdenken, der kleine Mann, und das Medienkartell kassiert.

Man darf aber die Herren Rechtschreibreformer nicht vergessen, die den Unsinn durchsetzen konnten, weil sie die führenden Sprachpflegevereine beherrschen, in Deutschland die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), Wiesbaden, das Institut für deutsche Sprache (IDS), Mannheim, und den Verein zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS), jetzt: Verein deutsche Sprache (VDS). Neuerdings ist sogar eine Dame dabei. Die Mitarbeiter der GfdS und des IDS sind fast geschlossen gegen die Rechtschreibreform, aber sie fügen sich dem Unsinn, weil sie Arbeitnehmer sind.

Die Mitglieder der Zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung beim Institut für die deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, Gründung: 25.03.1997:

1. sechs deutsche Vertreter:
Prof. Gerhard Augst (Siegen), Prof. Peter Eisenberg (Potsdam), Dr. Klaus Heller (IDS Mannheim), Prof. Rudolf Hoberg (TH Darmstadt). Prof. Horst Haider Munske (Uni Erlangen), Prof. Dieter Nerius (Uni Rostock)
Im September 1997 schied Munske und im März 1998 Eisenberg unter Protest aus, weil beide die Mängel der Reform nicht mitverantworten wollten. Neu hinzu kamen Prof. Mechthild Dehn (Uni Hamburg) und Prof. Dieter Herberg (IDS Mannheim).

2. drei österreichische Vertreter: Dr. Karl Blüml, Prof. Richard Schrodt, Prof. Franz Viktor Spechtler

3. drei Schweizer Vertreter: Dr. Peter Gallmann, Werner Hauck, Prof. Horst Sitta

Ehemalige Mitglieder der ersten Rechtschreibkommission waren Prof. Dr. Günther Drosdowski, der Leiter der Duden-Redaktion, Prof. Dr. Burkhard Schaeder (Uni Siegen), der verantwortlich für die unmögliche Getrenntschreibung ist, und Prof. Dr. Hermann Zabel (Universität Dortmund). Vgl. auch Hermann Zabel: Keine Wüteriche am Werk. Reiner Padligur-Verlag, Hagen 1996. In dieser Dokumentation findet man die meisten Namen der Verantwortlichen und ihrer Vorgänger.

Wie schon erwähnt, haben deutsche "Reformer" in der GfdS und im IDS Schlüsselpositionen inne. Augst und Zabel sind außerdem Mitglieder im VWDS/VDS und haben ihren Einfluß dahingehend geltend gemacht, daß die Veröffentlichungen des VDS ebenfalls in Neuschrieb erscheinen. Wenn man als Sprachpflegeverein andere als "Sprachpanscher bezeichnet, wie der VWDS/VDS es tut, dann muß dieser Verein erst einmal vor der eigenen Tür kehren und dann vor der der GfdS, Wiesbaden, und des IDS, Mannheim.

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Riebe

Bitte weiterverbreiten!

"Es ist nie zu spät, Natur-, Kultur- und Sprachzerstörung, Entdemokratisierung, Korruption und Steuerverschwendung zu stoppen!" (VRS)

Das kann aber nur dann gelingen, wenn sich immer mehr engagierte Bürger solidarisieren und in einem kämpferischen Verein wie dem Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. (VRS) als Interessenvertretung und außerparlamentarische Opposition zusammenschließen. Nur gemeinsam sind wir Streiter gegen die Rechtschreibreform stark.



  
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