London (pte, 16. April 02)
Wie eine Invasion hat eine Superkolonie südamerikanischer Ameisen den europäischen Kontinent bevölkert. Millionen von Nestern und Milliarden von Tieren leben im gesamten Mittelmeerraum. Wissenschaftler haben entdeckt, daß sich die Tiere dieser Kolonie nicht gegenseitig attackieren. Das ist der Hinweis auf ein großes Ameisenimperium, das sich über 6.000 Kilometer erstreckt. Das
berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature
http://www.nature.com heute.

"Die Tiere reagieren aufeinander wie Kollegen, obwohl sie zueinander nicht wirklich ein Naheverhältnis haben", so Laurent Keller von der Universität von Lausanne. "Das ist die größte biologische Kooperative, die jemals entdeckt wurde. Man kann spanische Tiere mit italienischen zusammenbringen, ohne daß es zu Aggressionen kommt", so der Forscher. Das sei eine große Überraschung gewesen.
Als unglaublich und spannend bezeichnet der Entomologe Terrence McGlynn von der Universität von San Diego die Situation. Die neue Kooperative der argentinischen Ameise (Linepithema humile) bedroht aber heimische Insekten und bedeutet für die Landwirtschaft eine Katastrophe. Andere Insekten wie die amerikanische Feuerameise haben bei weitem nicht jenes gigantische Ausmaß erreicht wie diese. "Alleine die Entstehung dieser riesigen Kolonie ist den Forschern ein Rätsel", so McGlynn. "Das Verständnis, wie ein solches Gefüge entsteht, ist biologisch höchst interessant", so der finnische Genetiker Pekka Pamilo von der Universität Oulo.
Die argentinische Ameise ist den Biologen als Invasor bekannt, denn nur in der Antarktis fehlt diese Spezies, sonst ist sie überall auf der Erde verteilt. Auch in Hawaii und in Neuseeland konnten diese Tiere Fuß fassen. Schlimm sehe es dann für heimische Arten aus. "Diese werden von den Eindringlingen völlig verdrängt", so Keller. Die einzige Möglichkeit, den Ameisen effektiv den Garaus zu machen, ist die Dekodierung ihrer eigenen chemischen Signale, die sozusagen als Kommunikationssystem der Insekten fungieren.
Keller und sein Team konnten von Südspanien über Südfrankreich bis nach Nordwest-Italien die Ameise finden. "Das Interessante an den Tieren ist, daß sie sich in Südamerika bekriegen, auch wenn sie nur ein paar Meter nebeneinander leben. Hier sind sie auf 6.000 Kilometer verteilt und
fungieren wie eine Kolonie, selbst wenn sie tausende Kilometer voneinander entfernt leben." Die Forscher vermuten, daß es eine biologische Strategie ist, gemeinsam gegen Feinde und Parasiten zu wirken anstatt sich gegenseitig zu bekriegen.
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nsu/020415/020415-1.html
(Quelle: pte020416016 - pressetext.austria)