Wien (pte, 5. März 02/13:35)
Die Wiener Universität für Bodenkultur
http://www.boku.ac.at hat gemeinsam mit der
Stadt Wien ein neues Verfahren zur Reinigung von belasteten Böden patentiert. Das Verfahren, bei dem Weiden und
Pappeln zur Bodenreinigung eingesetzt werden, wurde gemeinsam mit Forschern der Universität von Georgia innerhalb
der vergangenen drei Jahre konzipiert, entwickelt und getestet und heute vorgestellt. Die neue
Technologie ist darüberhinaus erheblich kostengünstiger als das bisherige Abtragen ganzer Erdschichten.
"Bei der Phytosanierung, so der Terminus technicus für den Einsatz von Weiden und Pappeln zur Bodensanierung,
entziehen die Pflanzen dem Boden die Schadstoffe und ernähren durch Wurzelausscheidungen den wurzelnahen Boden", so
Walter Wenzel, Professor am Institut für Bodenforschung und Miterfinder des Verfahrens. Das Verfahren eigne sich
nicht nur zur aktiven Bodenreinigung, sondern auch zur Prävention. Diese findet vor allem in der Nähe von
Autobahnen und Straßen eine Anwendung, erklärt der Forscher. "Die speziellen vom Forschungsteam entdeckten Weiden
können dem Boden ungewöhnlich hohe Mengen an Schwermetallen entziehen und dieses in den Blättern ablagern", so
Wenzel. Eine spezielle Geo-Schicht, die vor der Pflanzung am Boden aufgetragen wurde, sorgt für ein besseres
Recycling der mit Schwermetallen angereicherten Blätter. "Dies ist übrigens noch Gegenstand weiterer Forschungen",
so der Wissenschaftler.
Herkömmliche Methoden wie die Abtragung von verseuchten Böden oder die Bodenwäsche sind mit rund 1,6 Mio Euro pro
Hektar wesentlich teurer als die Phytosanierung, die etwa 55.000 Euro pro Hektar kostet. Geeignet ist die
Phytosanierung für die Reinigung von Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Zink. "Insbesondere Cadmium ist am
Rande von stark befahrenen Straßen und in landwirtschaftlichen Böden ein Problem, weil es vom Boden kaum gebunden
wird und so leicht ins Grundwasser oder in die Nahrungskette kommt", so die Projektkoordinatorin Marion Jaros von
der Wiener Umweltanwaltschaft
http://www.magwien.gv.at/wua/wua.htm. "Die entdeckten Bäume können in ihrem Laub
Konzentrationen bis 380 Milligramm pro Kilogramm speichern. In normalen Pflanzen findet man weniger als 0,5
Milligramm Cadmium pro kg Blattmasse", so Wenzel.
In Europa gibt es mehr als 1,4 Mio. ausgewiesene Standorte mit Schwermetallverunreinigungen. Viele dieser Böden
befinden sich in ehemaligen Ostblock-Ländern. Das Marktpotential der neuen Erfindung schätzen die Experten für 2002
auf 2,7 bis 7,7 Mio. Euro. Ein jährlicher Zuwachs von zehn Prozent erscheint plausibel. Das Projekt wurde von den
Magistratsabteilungen 22, 45 und 48 mitinitiiert und vom Wissenschaftsministerium und dem FWF gefördert. In Wien
ist die Anwendung des Verfahrens für die vorbeugende Reinigung von Bodenfiltern an der A23 geplant.
(Quelle: pte020305027 - pressetext.austria)