Bonn (pte, 10. Juni 02)
Forscher vom Institut für Paläontologie der Uni Bonn
http://www.uni-bonn.de werden in Zusammenarbeit mit der deutschen Mineralölgesellschaft RWE/DEA
http://www.rwe-dea.de/index.htm die Kunst der Mikropaläontologie wieder aus der Taufe heben und Nachwuchswissenschaftler in dieser Disziplin ausbilden. Winzige versteinerte Einzeller sollen Experten verraten, wo sich Ölbohrungen lohnen. Bei jeder Fehlbohrung –in 80 bis 90 Prozent landet der Bohrkopf in wertlosem Sediment – setzen Unternehmen mehrere Mio. Euro wortwörtlich in den Sand.

Einzeller aus der Gruppe der Foraminiferen finden sich in den Sedimenten der Meere. Diese Urtierchen bilden von runden, flachen Scheiben bis hin zu kleinen, bauchigen Linsen und Exemplaren mit ungewöhnlichen Fortsätzen wahre Massengräber. Gemeinsam ist diesen Fossilien (Bild) die poröse Kalkhülle, von der sie umgeben sind - und die sie für die Suche nach dem Schwarzen Gold so interessant machen. Denn Sedimente mit einem hohen Foraminiferen-Anteil können in den löchrigen Kalkschalen Öl und Gas aufsaugen wie ein riesiger Schwamm - ideale Bedingungen für die Entstehung einer großen Lagerstätte.
"Erdöl entsteht bei Druck und hohen Temperaturen aus organischem Material, meistens in einer Tiefe von mehreren Kilometern unter der Landoberfläche oder dem Meeresboden", erklärt Martin Langer vom Bonner Institut für Paläontologie. Von dort wandert das Öl ähnlich wie in einem Löschpapier durch die darüberliegenden Gesteinsschichten, bis es z.B. von einer Tonschicht wie von einem Deckel aufgehalten wird. Ob die Lagerstätte ergiebig ist, hängt außer von der Form des "Deckels", wesentlich von der Speicherfähigkeit des Lagergesteins ab.
Um den begehrten Energieträger aufzuspüren, führen die Firmen in vielversprechenden Regionen eine Art "Ultraschall-Untersuchung" durch. Sie erzeugen Schallwellen, deren Ausbreitung und Reflexion im Boden sie mit Hilfe von Geofonaufnahmen verfolgen. Am Rechner entstehen aus den seismischen Meßwerten Bilder, die den Schichtverlauf im Boden zeigen - und auf denen das geschulte Auge potenzielle Lagerstätten erkennen kann. "Die Bilder haben aber leider eine begrenzte räumliche Auflösung", erläutert Langer. "Häufig bohren Firmen ein paar hundert Meter neben der richtigen Stelle. In der angegebenen Tiefe stoßen sie dann nur auf trockenes Gestein." Anhand der Mikrofossilien, die der Bohrer aus der Tiefe ans Tageslicht befördert, können Experten schließen, ob die Lagerstätte wirklich "ein trockenes Loch" ist oder ob sie noch gar nicht erreicht wurde. Die Fossilfunde ermöglichen sogar, die seismische Landkarte "einzuordnen": Indem der Mikropaläontologe die Funde mit den vorhergesagten Schichten vergleicht, kann er erkennen, wo genau die Bohrung gesetzt werden sollte oder wie sie beim nächsten Versuch korrigiert werden muß.
"Alle großen Ölförderfirmen habe früher eigene Fossil-Experten beschäftigt", erklärte Langer. Als dann die Stunde der Seismik schlug, ging man davon aus, mit der neuen Meßtechnik alleine zum Ziel zu kommen. Seit 1980 wurden zahlreiche Mikropaläontologen entlassen und entsprechend schlecht steht es laut Langer um den Nachwuchs.
(Quelle: pte020610022 - pressetext.austria)