San Francisco (pte, 9. März 02/13:35)
Die US-Tabakindustrie hat jahrzehntelang mit Hollywood wirtschaftlich kooperiert, um ihre Produkte in Kino- und TV-Filmen zu plazieren. Eine aktuelle Studie der Universität von Kalifornien in San Francisco
http://www.ucsf.edu widmet sich der Wechselbeziehung zwischen Hollywood und den US-Tabakkonzernen.

Unter dem Titel "Wie die Tabakindustrie ihre Beziehung zu Hollywood aufgebaut hat" analysieren die Autoren C. Mekemson und Stanton A. Glantz bisher geheime Dokumente der Konzerne Philip Morris, RJ Reynolds, American Tobacco und Brown & Williams.
Obwohl die Zigarette im Film keine Neuigkeit darstellt, belegen die beiden Autoren erstmals anhand der Dokumente die gezielte Strategie der Tabakindustrie, das Rauchen durch Filme zu fördern. Dem Product Placement wird dabei in den Führungsetagen der Tabakkonzerne höchste Bedeutung beigemessen. In den 90er Jahren sei – auch wegen des massiven Drucks der Anti-Raucher-Lobby in den USA – von dieser Praxis Abstand genommen worden, so die Tabakindustrie. Die Autoren stellen diese Behauptung in Frage. Die Zigarette im Film sei in den 90ern wieder auf dem Vormarsch gewesen. Auch in den 80er Jahren habe die Industrie die wirtschaftliche Verquickung mit Hollywood geleugnet, aber intensives Product Placement betrieben, heißt es in der Studie.
Die Tabakindustrie hat Kino- und TV-Filme vor allem dazu benutzt, um das Rauchen mit Spaß, Verwegenheit, Sex, Macht und Abenteuer zu verbinden. Damit sollte die soziale Akzeptanz des Rauchens gesteigert werden. Die Zusammenarbeit zwischen Hollywood und den Tabakkonzernen entwickelte sich teilweise auf Initiative der Traumfabrik, um Produktionskosten zu sparen oder den Realismus zu erhöhen. Gezielte Einflußnahme von Seiten der Konzerne war aber keine Seltenheit. Phillip Morris
http://www.philipmorris.com hat ihr gezieltes Product Placement in den 70er Jahren begonnen. Die Studie zitiert u.a. aus einer Rede von Hamish Maxwell, Präsident von Phillip Morris International, aus dem Jahr 1983: "Anti-Raucher-Gruppen haben bereits Erfolge damit, die soziale Akzeptanz des Rauchens zu beschädigen. Rauchen wird als nicht zeitgemäß und ungesund dargestellt. Wir müssen alle kreativen Möglichkeiten ausschöpfen, um diesen destruktiven Trend umzukehren." In einem Marketingplan von 1989 wird festgehalten: "Wir haben die Helden in 'Wall Street', 'Crocodile Dundee' und 'Roger Rabbit' rauchen gesehen. Mickey Rourke, Mel Gibson und Goldie Hawn treten mit einer glühenden Zigarette öffentlich auf. Filme und Persönlichkeiten haben mehr Einfluß
auf die Konsumenten als jedes Plakat."
In den 70er und 80er Jahren sei ein Rückgang des Rauchens in Filmen bemerkbar gewesen. In den 90er Jahren sei dieser Trend wieder umgekehrt worden. In ihrer Zusammenfassung sind die Autoren davon überzeugt, daß die Tabakkonzernen auch weiterhin dieses mächtige Instrument der Promotion benutzen werden, solange ihnen diese Möglichkeit offen steht. Die ausführliche Studie ist unter der Web-Adresse
http://press.psprings.co.uk/tc/march/tcsupp-00142.pdf als PDF-File zu finden.
(Quelle: pte020309006 - pressetext.austria)