Bremerhaven, Dronning Maud Land/Antarctica (idw, 20. Februar)
Wissenschaftler und Techniker des Alfred-Wegener-Institutes für Polar-
und Meeresforschung (AWI)
http://www.awi-bremerhaven.de/index.html haben am vergangenen Montag, den 18. Februar,
die Kohnen-Station [Dronning Maud Land/Antarctica - Position: 75°00'S, 00°04'O, 2892 Meter über dem Meer]
http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/Kohnen/index-d.html für den kommenden antarktischen Winter
geschlossen.
Die Temperaturen am Ort sanken auf inzwischen minus 30 bis 35 Grad
Celsius bei Tage und minus 46 Grad in der Nacht. Dabei können die
Maschinen nur noch mit sehr hohem zusätzlichem Aufwand arbeiten. Die
Bohrung wurde bei einer Tiefe von 450,93 Meter unter der Oberfläche
eingestellt. Das Eis in dieser Tiefe wird auf 8200 Jahre geschätzt.
Damit enthält der bis jetzt erbohrte Kern fast schon das ganze Holozän,
die jetzige Warmzeit. Im kommenden antarktischen Sommer wird die Bohrung
fortgesetzt. Die nächsten 150 bis 200 Meter werden den sehr
interessanten Übergang aus der letzten Eiszeit enthalten. Nach Abschluß
der Arbeiten wird der Eiskern Daten zu natürlichen Klimaveränderungen
während der letzten 200 000 Jahre liefern.
Als Basiscamp für das 'Europäische Projekt für Eisbohrungen in der
Antarktis' (EPICA) mußte an einer außergewöhnlich schwer zugänglichen
Stelle der Erde eine Station aufgebaut werden. Die 'Kohnen-Station' des
AWI wurde in den letzten zwei Südsommern nach eingehender Vorerkundung
mit Flugzeugen am Kreuzungspunkt des 75. Breitengrades mit dem Greenwich
Meridian in 2892 Meter Höhe auf dem antarktischen Eisschild gebaut. Die
Wohn- und Arbeitscontainer ruhen auf einem Stahlgerüst, das an Stelzen
nach oben gekurbelt werden kann, um den Schneezutrag auszugleichen. In
der zurückliegenden Sommersaison arbeiteten auf 'Kohnen' 25 Männer und
drei Frauen. Die Station wurde am 4. Januar 2002 wiedereröffnet, die
Bohrungen begannen 14 Tage später. Die Bohranlage mit den Kältelabors
befindet sich unter der Oberfläche in einer in das Eis gefrästen 90
Meter langen Halle. Dort wird bei Temperaturen um minus 35 Grad eine
komplexe Bohrtechnik betrieben und die Kernsegmente ersten Analysen
unterzogen.
Die Station ist jetzt "eingewintert". Dazu gehören unter anderem das
Entleeren von Wasserleitungen, das Verladen der beiden verbleibenden
Schneemobile (Skidoos) in einen Container und das Parken des hier
verbleibenden Pistenbullys im Bohrgraben. Die Eingänge des Bohr- und
Wissenschaftsgrabens werden mit Holzplatten verschlossen. Zum Schutz
gegen Driftschnee müssen alle Öffnungen auf der Station geschlossen und
abgedichtet werden. Die Station wird gereinigt, der Generator stillgelegt und das Kühlwasser abgelassen. Material zur Wiedereröffnung der
Station wird, so weit möglich, bereitgestellt.
"Die Sonne verschwindet bereits für drei Stunden unter dem Horizont. Es
wird wieder dämmerig. Gegenüber der Sonne im Norden sieht man am Himmel
ein purpurnes Glimmen und darunter einen dunklen Streifen. Dies ist die
Grenze zur richtigen Nacht, die in den nächsten Tagen auch wieder nach
Kohnen kommen wird", beschreiben Dr. Sepp Kipfstuhl, Dr. Frank Wilhelms
und der Logistiker Cord Drücker vom Alfred-Wegener-Institut in
Bremerhaven die Situation an der Station. Per Flugzeug sind sie bereits
wieder in der Neumayer-Station
http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/neumayer1-d.html eingetroffen, von wo aus sie
am 1. März
die Heimreise antreten werden.
© AWI Bremerhaven
Das extreme Klima zeigt sich auch am Himmel über 'Kohnen': Die Strahlen der Sonne
werden durch in der Luft schwebende, winzige, sechseckige Eisplättchen
gebrochen. Man bezeichnet dieses Phänomen auch als 'Diamantenstaub', da
die Kristalle bei näherem Betrachten in allen Regenbogenfarben glitzern.
Über der Station schwebt ein Zeppelin, der laufend in unterschiedlichen
Höhen die aktuellen Wetterverhältnisse aufzeichnet.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) - Pressemitteilung -
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, 20.02.2002)