Wien (pte, 2. März 02/09:05)
Umweltschützer rufen weltweit zum Stopp von Fischkäufen auf: Grund dafür ist das
Verschwinden vieler Speisefische aus den Ozeanen. Die Meere der Welt werden von immer größeren Fischfangflotten
heimgesucht. Greenpeace hat vergangenen Woche dazu geraten, nur noch heimische Zuchtfische wie Karpfen und Forellen
sowie Heringe und Makrelen zu kaufen. Alle anderen Arten sind zunehmend bedroht, das gilt auch für Tiere der
Tiefsee.
Die Liste "fish&facts", die von Greenpeace Deutschland
http://www.greenpeace.de vorgestellt wurde, listet die 35
häufigsten Speisefische und ihre Bedrohung auf. Auch Krustentiere zählen mittlerweile zu den bedrohten Arten. "Die
Menschen glauben, daß die Meere leer sind, das stimmt nicht ganz. Das Problem der Überfischung bedeutet, daß auch
mit größerem Aufwand nicht mehr Fische in den Netzen der Fischer landen", so Michael Stachowitsch, Meeresökologe an
der Universität Wien
http://www.univie.ac.at/marine-biology zu pte. "Wir kennen das Problem im Nord-Atlantik seit
mehr als einem halben Jahrhundert", so der Wissenschaftler. Als besonders problematisch für die Umwelt stuft der
Forscher aber die Fangmethoden ein. "Die seichten Küstengewässer sind die biologisch produktivsten Lebensräume, die
von einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen bewohnt werden. Dort gibt es auch die größte Zahl an Fischen. In diesen
Bereichen werden Meeresböden durch Fischereigeräte förmlich umgepflügt. Dadurch werden die Lebensräume einfach
zerstört."
Das größte Problem sieht der Forscher darin, daß einmal zerstörte Meeresböden nur langsam wieder besiedelt werden.
"In manchen Gebieten der oberen Adria und der Nordsee wird jeder Quadratmeter mehrmals im Jahr durchpflügt. Die
Meeresböden sehen hinterher aus wie Schipisten. Das ist ungefähr so, als würde man einen Wald abholzen, um die Rehe
zu erlegen", so Stachowitsch. Am Boden finden sich Tiere, die in den Fischrestaurants als besondere Delikatesse
angeboten werden: beispielsweise Jakobsmuscheln und Norwegische Hummer (Nephrops norvegicus), die als Scampi
besonders begehrt sind.
"Das Schlimmste für den Fischbestand sind Überfischung, die Unmengen von Beifang und die physikalische Zerstörung
des Lebensraumes vieler Tier- und Pflanzenarten", so der Forscher. Greenpeace hat in seiner Aussendung geschrieben,
daß für ein Kilo Krabben fast fünf Kilo Beifang das Leben lassen muß. Dabei sei von Schleppnetzen, die
kilometerlang sind und alles fangen, was in ihrer Umgebung schwimmt, gar keine Rede. Das "Fischereimassaker" findet
aber nicht nur vor den Küsten Europas statt. "Aus der Fachliteratur kennen wir den drastischen Rückgang von Lachs
vor der Küste von Neufundland", so Hubert Keckeis vom Institut für Ökologie an der Universität Wien
http://www.univie.ac.at/IECB . Das Problem sei global und nehme immer mehr an Ernst zu, so der Forscher.
Den Fischbeständen werde keine Chance zur Erholung gegeben. So gesehen gebe es das Fischmassaker weltweit, wie die
Umweltschutzorganisation es betitelt. "In Staaten wie der mikronesischen Insel-Republik Kiribati gibt es zwei Mio.
Quadratkilometer Meeresfläche und gerade einmal zwei Schnellboote zur Überwachung des gesamten Territoriums. Dort
ist der Fisch-Piraterie Tür und Tor geöffnet", so Mindy Furrer, US-Peace-Corps-Volunteer zu pte. Das wissen auch
die Einheimischen, aber mangels verfügbarer Mittel könne dagegen nichts unternommen werden. Das sei für die
Inselbewohner deshalb tragisch, weil Fisch das Hauptnahrungsmittel darstellt.
Die EU-Kommission und das deutsche Verbraucherministerium drängen inzwischen auf eine nachhaltige Fischerei. Dabei
sollen die Fangflotten verkleinert, Schutzgebiete eingerichtet und die Beifänge verringert werden. Dabei konnte
sich die Kommission beim EU-Fischereirat allerdings nicht durchsetzen, der bereits die Fangquoten für das kommende
Jahr festgelegt hat.
Weitere Informationen: "fish&facts"
http://www.greenpeace-magazin.de/spezial/fischfuehrer/start.html
(Quelle: pte020302001 - pressetext.austria)