Bern (pte, 5. Februar 02/11:13)
Schweizer Wissenschaftler haben einen weiteren Waldkiller entdeckt: sauren Nebel. Mit Hilfe von komplizierten Meßverfahren konnten die Forscher der Universität von Bern nachweisen, daß der Nebel den Bäumen genauso stark zusetzt wie etwa "saurer Regen". Das Forscherteam konnte beim Projekt Finimsas
http://sinus.unibe.ch/~eugster/projects/FINIMSAS/index.html im ostbayerischen Fichtelgebirge die fatalen Wirkungen der kleinen Feuchtigkeitspartikel, in denen Luftschadstoffe 25 Mal stärker angereichert sind als im Regen, beweisen.
Das Team um den Geographen Werner Eugster von der Universität Bern
http://sinus.unibe.ch/~eugster konnte nachweisen, daß die Schwaden Unmengen an Schadstoffen aus der Luft auswaschen und in den Wald tragen. Die feinen Nebeltröpfchen filtern die Schadstoffe effizienter aus der Luft als große Regentropfen und sind damit wahre Giftwolken. Unbekannt war den Wissenschaftlern bisher, wie viele der Nebeltröpfchen tatsächlich in den Wald gelangen. Dieser sogenannte "Nebelwassereintrag" hängt zum Beispiel von der Verteilung der Tröpfchengröße in der Luft, den Turbulenzen und Windgeschwindigkeiten und der Oberflächenbeschaffenheit der Pflanzen ab, sagen die
Geographen. Deshalb mußten die Meßgeräte alle Einflüsse gleichzeitig erfassen. Ein Spektrometer maß automatisch die verschiedenen Größen der Nebeltröpfchen, und ein automatischer Windmesser untersuchte zwölfmal in der Sekunde die Bewegungen der Luft. Das Ergebnis erstaunte auch die Forscher: während der fünfmonatigen Meßphase brachte der Nebel insgesamt genausoviel Schadstoffe in den Wald wie der Regen.
Problematisch seien vor allem die schwefel- und stickstoffhaltigen Säuren, so Eugster. Diese machen den Boden sauer und erschweren die Nahrungsaufnahme der Bäume. In der sauren Umgebung entstehen durch chemische Prozesse auch elektrisch geladene Aluminium-Moleküle, die für Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen giftig sind. "Nebelschwaden können auch die Baumkronen selbst
zerstören", so Esther Thalman, eine am Projekt beteiligte Forscherin. Tatsächlich erreichen die Meßwerte an einigen Stellen den pH-Wert von drei. "Die saure Brühe verätzt
möglicherweise auch die Rinde und die Blätter beim Kontakt."
Thalmann warnt davor, daß insbesondere bei Wäldern in erhöhten Lagen die festgelegten kritischen Grenzen überschritten werden. Dort könnten sich die Belastungen durch Regen und Nebel summieren. Zwar haben die Schäden in den vergangenen Jahren nicht zugenommen, aber sich auf
hohem Niveau eingependelt. Das gelte sowohl für die Schweiz als auch für Deutschland.
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch/forest/risks/ssi/ssiresults/ssi01/ssi01-de.ehtml
(Quelle: pte020205013 - pressetext.austria)