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Zugvögel kommen 4,4 Tage früher
TUM-Forscherin in Nature: Ökologische Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung
München, 28.03.2002
Austrieb und Blüte von Pflanzen haben in Europa und Nordamerika in den
letzten drei bis fünf Jahrzehnten bis zu 3,8 Tage pro Jahrzehnt früher
stattgefunden. Zu diesem Ergebnis kam Dr. Annette Menzel vom Department
für Ökologie am Wissenschaftszentrum für Ernährung, Landnutzung und
Umwelt Weihenstephan (WZW) der Technischen Universität München (TUM).
Mit einer Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Dr.
Gian-Reto Walther (Institut für Geobotanik der Universität Hannover) hat
sie in einer Reihe von Ökosystemen die Reaktionen in Flora und Fauna
untersucht und umfangreiche Literatur ausgewertet. Über die Ergebnisse
der Studie berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner aktuellen
Ausgabe vom 28. März 2002.
Die jüngste Klimaveränderung zieht umfangreiche ökologische Konsequenzen
nach sich. Die Reaktionen in Flora und Fauna betreffen verschiedenste
Ökosysteme vom polaren Eis bis zu tropischen Meeren und reichen von der
Ebene der einzelnen Art bis zu Pflanzen- und Tiergesellschaften. Obwohl
die vorhergesagte Temperaturerhöhung erst ihren Anfang genommen hat und
noch Unsicherheit darüber herrscht, wie sich ganze Ökosysteme weiter
entwickeln werden, ist das Gesamtbild der ökologischen Veränderungen
bereits stimmig und deutlich zu abzulesen.
Bei einer Erwärmung der Erdatmosphäre verschieben sich, mit
unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die Verbreitungsgebiete von
Pflanzen und Tieren in Richtung der Pole und in höhere Lagen. Während
zum Beispiel Schmetterlinge der Temperaturänderung gut "folgen" können,
halten alpine Pflanzen mittels Verschiebung ihrer Areale nicht Schritt.
Die fortschreitende Klimaänderung wirkt sich durch die Wechselwirkungen
zwischen Arten bzw. zwischen Arten und ihrer Umgebung auf die
Zusammensetzung von Ökosystemen aus.
Der einfachste und bislang am besten verstandene Prozeß, durch den sich
die Klimaerwärmung in der Pflanzen- und Tierwelt bemerkbar macht, ist
die Phänologie. Hier werden sich jährlich wiederholende Aktivitäten von
Pflanzen und Tieren beobachtet, wie etwa der Austrieb und die Blüte von
Pflanzen oder die Rückkehr von Zugvögeln im Frühjahr.
In Großbritannien schlüpfen Schmetterlinge bis zu 3,2 Tage pro Jahrzehnt
früher, Zugvögel kommen bis zu 4,4 Tage früher an und die Eiablage kann
bis zu 4,8 Tage früher erfolgen. Der Eintritt dieser Frühjahrsphasen, so
das Ergebnis von Dr. Menzel am WZW der TUM, wird wesentlich von der
Lufttemperatur der vorangehenden Monate bestimmt. Diese Veränderungen
können somit als Bioindikator für Temperaturänderungen gelten. Die
Verschiebung von Herbstphasen wie Laubverfärbung von Bäumen oder das
Wegziehen der Zugvögel ist weniger deutlich und oftmals sehr heterogen.
In Europa hat sich im Laufe der vergangenen Zeit die Laubverfärbung im
Schnitt bis zu 1,6 Tage pro Jahrzehnt verspätet und die Wachstumsperiode
damit um bis zu 3,6 Tage pro Jahrzehnt verlängert. Dies entspricht in
etwa auch den Ergebnissen aus Satellitenbeobachtung oder der Auswertung
von Zeitreihen der Kohlendioxid-Konzentration.
Die Reaktionen bei Pflanzen und Tieren sind oft ähnlich. So zeigt eine
Zusammenstellung von Beobachtungen in Deutschland, daß in Jahren mit
sehr warmem Frühjahr in der Regel auch frühe Laubentfaltung und ebenso
frühe Ankunft von Zugvögeln zu beobachten sind. Es gibt jedoch groß- und
kleinräumige regionale Unterschiede, vor allem können einzelne Arten
sehr verschieden auf die Erwärmung reagieren. Hierdurch wird die
komplexe Dynamik in Ökosystemen gestört, wenn beispielsweise 'zu spät'
zurückkehrende Zugvögel die besten Brutplätze schon besetzt vorfinden.
Auch werden etwa Froschlaich und Kaulquappen bei unverändertem Zeitpunkt
der Fortpflanzung vermehrt Beute der sich früher entwickelnden
Wassermolche.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) - Pressemitteilung der Technischen Universität München, 28.03.2002
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